Sonntag, 21. November 2010

Max Buch

Also das ist der Anfang und die erste Teilseite meines Buches, das ich mit 16 schreiben wollte, aber iwie ist es in Vergessenheit geraten. Ich will nur schonmal vorab sagen, das dort hunderte wenn nicht tausende Rechtschreibfehler drin sind, nur das ihr euch nicht wundert ^^


Anfang

Kopflos rannte er durch die Straßen der Nacht, gehetzt von der Macht die ihm wie ein Schatten zu folgen schien..Die Angst das sie ihn erreichen würde strömte durch seinen ganzen körper und nahm ihm jeden seiner Gedanken.Durch jede Ader seines Körpers pulsierte die Angst und verband sie zu einem rasenden Schlagen, das ihm durch den ganzen Körper trieb."Ich will nicht sterben",rief eine verzweifelte Stimme immer und immer wieder in seinen Kopf hinein. Die Beine schienen von ganz alleine zu rennen ,aus Angst dass die Gedanken ihnen nicht folgen könnten.Nicht einmal zu Atmen wagte er sich, aus Angst der dunkle Schatten könnte ihn dadurch einholen und in ihn eindringen.Sekunden des Rennens zogen sich zu Stunden der Angst unterbrochen von schier endlosen Schreien nach Leben in seinem Kopf. Immer weiter und weiter drängte ihn die Angst, die den Mut zu sterben nicht bereit war zu akzeptieren. Die Umgebung schien langsam ebenso weit in den Hintergrund gerückt zu sein wie das endlose Flehen im Kopf, nur noch das Rennen erfüllte seinen ganzen Körper und rannte Hand in Hand mit der Angst. Er wusste nicht einmal mehr wovor er weg rannte nur das er es in diesen Moment tat zählte für ihn. Mit jedem weiteren Schritt, dessen Echo an den Wänden der endlosen Straße verhallte, begann die Welt sich in wabernden silbernen Glitzern aufzulösen und zu verschwimmen. Er rannte zwar und verspürte noch immer die selbe Angst, welche zuvor seinen ganzen Körper durchflutet hatte, jene Angst die ihn um sein Leben hat bangen lassen, jene Angst die ihn immer noch zwang weiter zu rennen, und doch sah er sich in dem glasigen wabern nun plötzlich selbst die Straße entlangrennen.

Die langen blonden Haare wehten wild im Tempo der Jagt und bildeten einen blonde Fahne die hinter dem vor Anstrengung verzerrten Gesicht hin und her flatterte. Die angsterfüllten Augen ließen die Tränen im Tempo der Angst über das Gesicht streifen und wie Regentropfen zu Boden fallen, wobei sie in ihrem letzten Fall im Licht der Straßenlaternen kurz aufschimmerten, bevor jede einzellne am Boden zersprang, wie Hoffnung am Boden der Tatsache. Die Szenerie versinnbildlichte geradezu die Vorstellung dem Tod ein letztes Rennen zu bieten.

Doch plötzlich kommen zwei Lichter auf ihn zu ,die schneller sind als das Leben jemals sein könnte.Die immer größer werdende Lichter und das lauter werdende Brummen nähern sich ihm rasend schnell und unaufhaltsam wie Naturgewalten. Die Lichter verschlingen seinen Körper und der Lärm übertönt seinen Geist. Gedanken eines Lebens ,das er nie geführt hatte, rasen an seinem inneren Auge vorbei und verblassen so schnell wie sie kommen.

Die Angst verstummt, das Echo verhallt, das Rennen es endet, der Wettlauf verloren.

Alle Schmerzen und Anstrengungen fielen von dem erstarrten Antlitz ab und wurden durch entspannte vertraute Gesichtszüge ersetzt die ihn geradezu liebevoll aus den leeren Augen der Unendlichkeit anlächelten. "Ironie das ich sterbe wie meine Mutter" ertönte es in der entschwindenen Welt und die Tiefe der Worte zog ihn begleitet von einem Echo, in eine vollkommene Dunkelheit hinein.


Buch

Erschrocken fuhr Marec auf. Schwer atmend saß er auf seinem Bett und bemerkte an seiner leicht feuchten Kleidung, die an seinem Körper klebte dass er geschwitzt haben musste. Noch immer zerstreut vom gerade eben geträumten saß er mit den Ellebogen auf den Knien gestützt in seinem Bett und versuchte seine Gedanken zu ordnen."Schon wieder dieser Traum" dachte Marec, obwohl ihm bewusst war das es nur ein Traum gewesen war, steckte der Schreck immer noch tief in ihm drin. Schlaff und gedankenverloren warf er sich zurück in die Kissen und starrte verträumt aus dem Fenster in den morgendlichen Himmel. "Der alltägliche Morgen wie immer: dunkelblauer Himmel ,orangener Horizont und Wolken die den Himmel durchziehen" dachte er oberflächlich doch innerlich kämpfte er immer noch mit den Nachwirkungen des Traum´s und fragte sich plötzlich, ob seine Mutter wohl auch solche alltägliche Morgende erlebt hat. Für sie waren diese Morgende bestimmt genau so alltäglich wie für ihn :" Ob sie solch einen Morgen auch gesehen hatte bevor sie gestorben ist", fragte er sich und starrte weiterhin in den morgendlichen in orange getauchten Himmel, durch welchen sich hin und wieder eine schmale Wolke zog, die wie ein kurzer Strich in der unendlich scheinenden Weite wirkte. -Ob solch ein Morgen auch mein letzter Morgen sein könnte?- Sein Blick fiel auf den weißen Radiowecker dessen rote Striche 7:30 Uhr anzeigten. "Verdammt!".Der plöztlich unerwartete Moment riss ihn aus seiner Verträumtheit heraus und warf ihn zurück in den Alltag des Lebens. Er sprang aus dem Bett, hastete zu seinem Kleiderschrank, stolperte über seinen Ranzen, den er am Vortag achtlos beiseite geworfen hatte und prallte mit voller Wucht gegen die geschlossene Schranktür."Wieso immer ich" dachte er sich und hielt sich den an der Holztür angeschlagenen Kopf. Hastig sprang er zur Seite und riss mit der einen Hand die geschlossene Schranktür auf. Während er sich mit der anderen immer noch den vor Schmerz pulsierenden Kopf hielt und ein paar Klammotten heraus zog die er sich schnell über warf. -Zum Frühstücken und Duschen ist keine Zeit mehr- dachte er sich und zog die Zimmertür hinter sich zu. Schnell rannte er die Treppe herrunter, warf sich gegen die Haustür und drückte gleichzeitig die Klinke nach unten. Der resultierend Schwung ließ ihn geradezu aus der Tür fliegen, die nur einen schmaler Grad zwischen ihm und seinem weiteren Höllentrip bis zur Haltestelle bildete.

Freitag, 19. November 2010

Eine kleine Zusammenfassung des Treffens am 19.11.2010

Nach einer Stunde organisatiorischer Diskussionen und ein paar leckeren Waffeln wollen wir uns wieder dem Schreiben widmen!
Die Themen, über die wir uns bis zum nächsten Treffen die Köpfe zerbrechen wollen und sie möglichst zu Papier bringen, sind:
- "Was uns (dich/mich) bewegt / Bewegendes"
- "Zwei Seiten der Medaille/ Zwei Gesichter"
- Zitat "Der Mensch hat die Sprache, um seine Gedanken zu verbergen."

Ich freue mich aufs Schreiben, das nächste Treffen, eure Ideen und Ergebnisse!
Und werft einen Blick in die Termine-Box!

Außerdem:

-Namen: bleiben wir bei Junge Autoren Wiesbaden - writers65?
Oder doch die Nachbarschaft oder Weißdornweg in Anlehnung an die Schreibwerkstatt, mit der alles begann? Vorschläge willkommen.

-Ort: Wir probieren nacheinander ein paar Plätze aus, um unser Stammtreff zu finden. Das Café Klatsch ist gemütlich, aber in manchen Ecken düster. Die Waffel kriegt in Sachen Gemütlichkeit und Ruhe auf jeden Fall ein Daumen hoch! Aber wir schauen noch weiter. Auch hier sind Vorschläge willkommen.
Übrigens, fürs nächste Treffen wagen wir uns auf die andere Seite des Rheins (siehe Termine)

Dienstag, 16. November 2010

Fragmentgedichte

Ergebnisse des Schreibtreffens am 26.10.2010
Die Idee ist, einen zufällig ausgeschnittenen Zeitungstext o.ä. zu ergänzen.

3  Beispiele - das fettgedruckte ist der Originaltext.

Geh, sagst du, aber
dich will ich gehen sehen
und auch deinen Hass.
man darf mich nicht einfach verscheuchen
wie eine lästige Fliege
Du bist mein Hypnotiseur
Entziehst mir meinen Willen
Du bist mein Dieb
Bewahrst nur das Gute in mir für dich
weiche der Angst
verweigre der Wut in dir
den Weg ins Freie, zu mir
Gib deine aufgezwungenen Antworten auf
stell selber Fragen, und doch -
gib acht auf
dich.
(Katharina)

                                        Innen mag ich traurig sein,
                        in Tränen schwimmen
                                         Ungehorsam
                                         kannte ich nie
               handelte immer nach einem Willen
                             Mit der Zeit will ich mich ändern, denn
die Veränderung kommt durch die Zeit.
                                         Sonnige Zeiten, Regen,
                               Tage schwarz, genug davon
                            wachgewordene Gefühle, nicht mehr unterdrücken.
(Rosa)

                 



                 Es ist traurig, wie du dich
                          von allen Menschen abschottest, sodass
             sie die dich nicht wahrnehmen, und
                                     wenn du da so sitzt, frage ich mich,
 ob du dich selbst wahrnimmst, dann
                                        dieses dich-selbst-bemitleiden, mehr
           interessiert dich nicht mehr. Die Person, die du
    früher warst, verschwindet irgendwo, und du,
                                  du merkst das gar nicht, und
           du denkst dir, alles ist einfach.
(Marcella)


Samstag, 6. November 2010

Max Krascheska Gedichte

"Die Entschneidung"

Ritzen eine Flucht
Ritzen eine Sucht
Ritzen für sein Herz
Ritzen gegen den Schmerz
Ritzen ,damit andre sehen
Ritzen ,dass sie es verstehen
Ritzen um es zu zeigen
Ritzen sein eigenes Leiden
Ritzen um wieder zu spürn
Ritzen ins Leben zu führn
Ritzen um weiter zu gehn
Ritzen nach vorne zu sehen
doch:
Ritzen schaut immer zurück
Ritzen macht dich verrückt
Ritzen bleibt bestehen , denn
Ritzen lässt dich nicht gehen
Ritzen was ist man sich wert
Ritzen so unbeschwert
Ritzen ein Messer raus
Ritzen die Pulsader auf

"DER Klang"

Goldene Bändchen hängen herab
Hellklares Läuten hör ich fern ab
alles um mich rum weiß bekleidet
keiner da der mich beneidet
das Licht es spielt mir kleine Streiche
mit vielen Farben vor allem den weichen
erst rötlich-gelb das Laube hängt
wird ihm wieder grün geschenkt
das Schauspiel schön und friedlich ist
der Baum sich jeder Farbe misst
so schwinden Tage und Wochen dahin
Beobachten hab ich nur noch im Sinn

Doch merke ich bald in mir drin
es zieht mich noch woanders hin
auf der Suche nach diesem einen Gefühl
wird es in mir innerlich kühl
hinter mir lasse ich den Baum
und muss nach dem was ich suche schaun
ein Teil in mir will sich wieder umdrehen
und einfach in das Spiel des Lichtes gehn
doch der andere der stärkere Teil
will dass ich mich der Suche des Zieles beeil

So laufe ich weiter durch die Welt
die sich weiter unschuldig stellt
hier mal am Strand von Palmen umgeben
im nächsten Moment durch Schneepracht streben
beachte ich nur den einen Weg
den an den mich mein Gefühl hinträgt

Nun stehe ich vor einem weißen Haus
von außen sieht es prunkvoll aus
weiße Gardinen hinten ein Garten
Brise nach vorn worauf noch warten
in mir drin da macht es sich breit
ein großes Gefühl der Beklommenheit
doch die Brise im Nacken sich selbst engagieren
was habe ich schon zu verlieren

Die Tür ist offen ich komme herein
und blicke in eine Galerie hinein
immer weiter drängt mich der Drang
und treibt mich immer weiter voran
das Gefühl in mir drin wiegt immer noch schwer
und ich frage mich nur wo kommt das her
diese gefühlte Kälte von vorhin
ist irgendwo in dem Raum hier drin

Ich gehe weiter wie benommen
und kann zu keinem Entschluss kommen
diese Bilder an der Wand
sind so neu doch auch so bekannt
sie zeigen Menschen sie sind vertraut
wenn man in ihr Innerstes schaut
ich laufe weiter von Menschen umgeben
es kommt mir schon vor als würden sie leben
doch plötzlich bleibe ich verwundert stehen
ich kann das Ende der Galerie sehen

Vermodert und alt wirkt diese Wand
in der sich ein Bild ohne Rahmen befand
in mir drin schrie es voller Grauen
nein tu das du darfst nicht reinschauen
der erste Schritt er ist gemacht
nein kehr um noch hast du die Macht
der zweite Schritt ist nun getan
bitte ich will dich nur bewahrn
der dritte Schritt die Kälte spricht
verdammt noch mal jetzt hör auf mich

immer näher komm ich dem Bild
die Kälte wird immer mehr ungewillt
mit jedem Schritt den ich mache
sehe ich mehr Konturen aber nur schwache
immer größer wird das Bild
das nun mehr auf meine Größe anschwillt
Schritt um Schritt immer schneller
näher ich mich dem großen Teller
die Schreie in mir nach hinten gedrängt
nur drauf bedacht was an der Wand hängt
es nimmt immer mehr an Form und Gestalt
immer so weiter dann hab ich es bald
ich renne drauf zu jetzt bin ich da
doch war erschrocken was ich dort sah

es ist kein Bild ein runder Spiegel
über ihm ein hölzernes Siegel
in dem Spiegel vor mir stand
ein alter Mann mit streckender Hand
das Haar schlohweiß das Gesicht verdörrt
Augen hellblau der Körper zerstört
den Mund geöffnet zum quälenden Schrei
es ist nicht nur einer nein es sind zwei

Vor Entsetzen die blinden Augen geweitet
kein Gefühl mehr das ihn leitet
Furcht das Einzige was ihm bleibt
sein Körper sich gen Spiegel neigt
Schatten des Lebens drängen ihn rein
wo er überhaupt nicht vor hat zu sein
die Macht sie ist erbarmungslos
lässt ihn fallen bodenlos
ungebremst ohne zu sein
kehrt er in die Schwärze ein

Langsam wird mir leicht bewusst
dass das ein Traum gewesen sein muss
schweißgebadet und der Atem schwer
lieg ich in einem Lichtermeer
kaum erfassend was gerade passiert
öffne ich meine Augen verwirrt
ich starr an die Decke wo bin ich hier
doch da regt sich etwas über mir
Oh Doktor Oh Doktor Sie haben’s geschafft
der Mann ist aus seinem Koma erwacht
Die tippelnden Schritte sie führten hinaus
doch das machte mir jetzt auch nichts mehr aus
denn das klare Klingen es musste so sein
konnte nur mein Herzschlag sein.

Sonja


Ein Name der schont ein Name der Flieht

ein Name den sie mir in der U-Bahn verriet.

Eine Person die mir lacht eine Person die mir scheint

eine Person die meinem Leben mehr Sinn verleiht

Eine Frau die mich hört, die Frau die mir bleibt

eine Frau die mit mir ihre Zeit vertreibt.


Die sichtbare Bindung, die unsichtbare auch ,

der Schein der trügt und der offensichtliche auch

Der suchende findet, der Schatz liegt frei

Hilfe zur Erkenntnis gabst du mir dabei.

Einst sagte ich „warte“ und du harrtest es aus

nun bin ich der „erwartet“ wenn du mir vertraust.


Ein gemeinsames Wort treibt die Einsamkeit fort

so will ich es schrein gemeinsam zu Sein.


Freitag, 5. November 2010

Herbstblatt

Passend zur Jahreszeit, ein ziemlich alter Text von mir.
2007 mit einem Anerkennungspreis des George Konell Förderpreises ausgezeichnet.

 

Herbstblatt



Es war einer der Tage, die sie „Seelenspiegel“ getauft hatte, weil sie eine ihr gut bekannte Stimmung widerspiegelten. Einer von vielen düsteren kalten Novembertagen. Es hatte geregnet, der Himmel war grau, wolkenverhangen, wie ein Fenster mit abweisenden, schweren Vorhängen davor.
Sanft fallender Regen auf der Haut war ein schönes Gefühl für sie, doch heute peitschte der Wind den Regen, machte ihn unbarmherzig und prasselnd.
Alle Leute verkrochen sich in ihren Häusern, und wenn sie nicht unbedingt vor die Tür mussten, dann ließen sie es bleiben.
Das gefiel ihr, denn so hatte sie die Straßen für sich, die der Wind regelrecht leergefegt hatte.
Langsam wanderte sie über den nass glitzernden Asphalt des einsamen Bürgersteigs und genoss es, dass ihre Schritte als einzige zu hören waren. Große Menschenmassen versetzten sie in Panik, sie brauchte Luft, Luft um sich herum. Sie hasste es, angestarrt zu werden – ob nun von fremden Menschen oder von Bekannten, die sie mit ihren Blicken absuchten, nach… irgendetwas, das ihr Verhalten erklären könnte.
Die Frage, was mit ihr los sei, war ihr schon viel zu oft gestellt worden, als dass jemand eine andere Antwort als ein bissiges, abweisendes „Nichts!“ erwarten könnte. Wie sie wusste, hatten die Leute die verschiedensten Interpretationen über sie parat.
Pubertät, sagten die einen, als ob das alles erklären würde.
Andere hielten sie für depressiv.
„Sie glaubt wohl, sie ist was besseres“ – auch das hatte sie schon gehört.
All diese Dinge registrierte sie, als beträfen sie jemand ganz anderen, was wahrscheinlich daran lag, dass keine der Interpretationen auf die Weise zutraf, wie sie sich selbst sah.
Am besten von den vielen Wörtern, die im Zusammenhang mit ihr schon genannt worden waren, hatte ihr „Melancholie“ gefallen. Das Wort hatte einen schönen Klang, und seine Bedeutung, eine Art süße Traurigkeit und Sehnsucht, war für sie greifbar.
Irgendjemand – eine Lehrerin, wenn sie sich nicht irrte – hatte einmal bemerkt, sie befände sich in ihrer eigenen kleinen Traumwelt, deshalb sei es schwer, an sie heranzukommen.
Das stimmte schon fast, nur dass es keine Welt der Träume, sondern der Gedanken war. Gedanken, die viel Platz und Zeit brauchten. Sie dachte nach, unablässig, düstere Gedanken, tobende Gedanken, die sich nicht abschütteln ließen, füllten ihren Kopf.
Aber es waren Gedanken, die sie niemandem erzählen wollte oder konnte, deshalb stauten sie sich auf und machten sie zu einer einsamen Grüblerin.
Langsam hob sie den Kopf und schaute in die Kronen der Bäume, die hier, im Villenviertel, die Straßen säumten. Sie waren fast kahl, nackt und dunkel streckten sie ihre Zweige wie Finger in den grauen Himmel.
Eins der braunen Blätter, die sich noch an die Zweige klammerten, löste sich in diesem Moment. Sie blieb stehen, um zu beobachten, wie es durch die Luft langsam Richtung Boden segelte. Leicht sah es aus, anmutig und unbeschwert.
Sie hatte sich so oft gewünscht, auch eines Tages so leicht zu sein, dass sie schweben konnte.
Doch das Blatt hatte sich erst vom Baum gelöst, als dieser alles grüne Leben aus ihm herausgesogen hatte, und sein anmutiger Tanz war eigentlich nur das nachlässige Spiel des Windes, der es herumwirbeln ließ.
Das Blatt fiel auf den Gehsteig. So schön sein Flug auch gewesen sein mochte, das änderte nichts daran, dass es nun am Boden lag, nichts weiter als feuchtes, langsam verrottendes Laub.
Während sie langsam weiterging, sann sie darüber nach.
Das nächste Mal blieb sie an einer Pfütze stehen. Sie beugte sich darüber, um einen Blick auf ihr Spiegelbild zu erhaschen. Im Wasser war ihr Abbild nur trüb und verschwommen, aber das machte nichts. Sie wollte gar nicht genau wissen, wie sie aussah.
Ihr Gesicht konnte sie nicht erkennen, denn ihre Haare fielen an seinen Seiten herab und warfen einen Schatten darüber. Mit ihren zerbrechlich wirkenden Fingern strich sie sich die Strähnen zurück. Selbst ihre Haare waren dünn und federleicht.
Aus ihrem Gesicht starrten sie ihre eigenen Augen beinah vorwurfsvoll an.
Sie trat mit einem Fuß in die Pfütze, sodass ihr Spiegelbild in alle Richtungen spritzte, schlang die Arme um den Körper, um sich zu wärmen und setzte ihren Weg fort.

Donnerstag, 4. November 2010

Lesung am 10.9.2010

Lesung auf dem Jugendkulturfestival YouthCulture65xxx auf dem Dernschen Gelände, Wiesbaden
Fotos von Ralph Conway