Heldinnen zum Anfassen
28.07.2011 - WIESBADENVon Julia Anderton
BUCHTIPP Die Wiesbadenerin Marcella Melien und ihre neue Fantasy-Geschichte für Jugendliche
Für viele Schüler sind Aufsätze ein Graus. Nicht so im Fall von Marcella Melien - die Wiesbadenerin bringt seit frühester Kindheit mit Begeisterung eigene Geschichten zu Papier und dies längst nicht nur im Unterricht. Mit gerade mal 17 Jahren brachte sie vor zwei Jahren mit dem Jugendbuch „Das Buch von Mavalyon“ ihren Erstling heraus, nun ist die Fortsetzung „Die Königin von Mavalyon“ erschienen.
Die vier Freundinnen Muriel, Finn, Salome und Syrah stehen an der Schwelle zum Erwachsenwerden und möchten ihre Zukunftsträume verwirklichen, doch das Schicksal macht ihnen einen Strich durch die Rechnung - ihr Land wird von den brutalen Korsaren heimgesucht, die den Menschen mit ihren Grausamkeiten das Leben zur Hölle machen. Die Mädchen beschließen, den Kampf aufzunehmen und erleben dabei unzählige, mitunter haarsträubende Abenteuer...
Wer Fantasy mag, wird diese Saga lieben. Doch auch Jugendliche, die damit nicht viel am Hut haben, kommen auf ihre Kosten, sind doch die zentralen Themen des Romans wie wahre Freundschaft, Mut, aber auch Zukunftsangst genreunabhängig von großer Aktualität. Zumal Meliens Schreibstil nicht verschachtelt daher kommt, wie es in so vielen Fantasy-Romanen der Fall ist, sondern in flüssiger Erzählweise klare Bilder von den dramatischen Ereignissen entstehen lässt, den Leser direkt ins spannende Geschehen hinein holt.
Fremd ist diese Welt voller Götter und Monster und doch irgendwie vertraut.
Die Protagonistinnen leisten Großes, dennoch fühlt man sich ihnen nahe. Denn sie sind keine abgehobenen unfehlbaren Kämpfernaturen, sondern vielmehr Heldinnen zum Anfassen, die zwar in einem Land vor unserer Zeit leben, wo man Wasser aus Quellen trinkt und auf Pferden reitet, jedoch modernen Jugendlichen im Grunde ihres Wesens gar nicht so unähnlich sind.
Mitunter anstrengend ist dafür die riesige Personenzahl, die auf 215 Seiten auftritt, zumal die Figuren betont komplizierte Namen tragen, was dem Leser einige Konzentration abverlangt. Nichtsdestotrotz vermag Melien durch ihre klare, intensive Erzählweise ihr Publikum bei der Stange zu halten. Das kommt nicht von ungefähr: Die 19-Jährige ist eine der Preisträgerinnen des diesjährigen „Jungen Literaturforums Hessen/Thüringen“, außerdem ist sie als freie Mitarbeiterin dieser Zeitung tätig.